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Staatsanwaltschaft
Aachen sieht im Verstehen von Motiven im Fall der versuchten Geiselnahme in der
ARGE Aachen eine Straftat. Gerichtstermin 4. Dezember Amtsgericht Aachen
Aachen – Die
Staatsanwaltschaft Aachen sieht in dem Verstehen der Motive, der im September
2007 versuchten Geiselnahme in der ARGE Aachen eine schwere Straftat. Ein Hartz
IV-Bezieher aus Mannheim hatte im September 2007 in dem Internetforum des
Erwerbslosen Forum Deutschland sich gewundert, dass angesichts der rechtlichen
und verwaltungstechnischen Missstände in den Hartz IV-Behörden nicht über viel
mehr Übergriffen in den Argen berichtet wurde. Dies und sein Verstehen von
übergriffige Motiven von Einzelnen reichen nun für eine Anklage vor dem
Amtsgericht aus. Unter dem Vorwurf der Billigung und Belohnung einer
Straftat wird ihm am Freitag (4. Dezember) im Amtsgericht Aachen der
Prozess gemacht. „Wir halten das ganze für eine Farce ohnegleichen. Irgendwie
stimmen die Verhältnisse nicht mehr, während Thilo Sarrazin öffentlich Hartz
IV-Bezieher und Migranten ohne Konsequenzen übel beleidigen darf, wird - unser
Ansicht nach- durch ein absurdes Theater der Versuch der Kriminalisierung eine
Hartz IV-Kritikers unternommen. Deshalb haben Erwerbsloseninitiativen dazu
aufgerufen, dem Prozess bei zu wohnen“, so Martin Behrsing, Sprecher des
Erwerbslosen Forum Deutschland. Die Verteidigung hat der bekannte Kölner
Strafverteidiger Detlef Hartmann übernommen.
Der Fall hatte 2007/2008
große Schlagzeilen (1,2) ausgelöst, nachdem die Staatsanwaltschaft Aachen
vergeblich versuchte beim Erwerbslosen Forum Deutschland Daten zu ermitteln und
diesem Zusammenhang wegen eines Zitats von Adorno wegen Volksverhetzung
ermittelte. Nachdem beim Erwerbslosen Forum Deutschland – trotz eines Beschluss
des Landgericht Aachen – keine Daten zu ermitteln waren, weil die Initiative in
seinem Internetforum auf die Speicherung von Daten verzichtete, die
Rückschlüsse auf Daten hergaben, konnte die Polizei über ein Internetforum
einer Aachener Zeitung den Angeklagten ermitteln. Er hatte sich dort ebenfalls
zu dem Vorfall geäußert. Der Vorwurf der Volksverhetzung wurde nun
fallengelassen und die Anklage bezieht sich nun auf einen anderen Beitrag (3)
Ein unvoreingenommener
Blick auf den umstrittenen (letzten) Teil des Beitrags(3) lässt dagegen
jegliche Parteinahme, Billigung der Tat, Rechtfertigung für die Täterin oder
überhaupt einen Bezug zur konkreten Tat vermissen. Die Einleitung des Textes
schließt derlei sogar ausdrücklich als 'Symptom' und Desinteresse am
'eigentlichen Problem' aus. Der zu einem "in einer Weise, die geeignet
ist, den öffentlichen Frieden zu stören" erklärte Text ist trotz seiner
angeblichen "Weise, die geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu
stören" bis heute einsehbar und bietet offenbar keinen Anlass ihn oder das
gesamte Gespräch beim Erwerbslosen Forum Deutschland löschen zu lassen.
Im strittigen Teil des
Textes werden rechtliche und verwaltungstechnische Mißstände genannt die
geeignet sind 'Kunden' einer ARGE zu Kurzschlusshandlungen und
Verzweiflungstaten zu bewegen. Eingeleitet durch eine rhetorische Verwunderung
über die geringe mediale Kenntnismachung der unzähligen Gewaltakte in ARGEn und
dem Umfeld der Hartz IV-Reformen. Abgeschlossen durch die Ermahnung, dass
Gewaltakte ein untrennbarer Aspekt der Hartz IV-Reformen sind und auch
zukünftig geschehen werden.
Nicht einmal die für das
Internet eigentümliche Ausdrucksweise des Verfassers kann verdecken, dass seine
Betrachtung eine Analyse der Hartz IV-Reformen in Gesetzeslaut und Umsetzung
darstellt. Gerade die Ausdrucksweise des Verfassers zeigt, dass er keinen
konkreten Bezug zu einem realen Fall einnimmt, sondern alle Fälle aus einer
übergeordneten Warte behandelt. Und letztlich dürfte dem Verfasser das
Aussprechen des Offensichtlichen, das Beteuern des Selbstverständlichen, das
nicht tolerieren des Zwangsläufigen zum Vorwurf gemacht sein.
Recherchen im Internet
über die Hartz IV-Reformen zeigen eine bisweilen blutige Spur durch die
Republik. So fanden allein in Hamburg im Jahr 2007 mehr als 1200 Übergriffe
innerhalb der ARGEn statt. Viele Fälle von Selbstmord, mindestens ein Fall des
Todes durch Vernachlässigung, Messerstechereien, Einsatz von Reizgas und leicht
entflammbare Flüssigkeiten und vor allem unzählige Handgreiflichkeiten von und
auf 'Kunden' der ARGEn, von und auf Mitarbeiter der ARGEn sind dokumentiert.
Alle diese Fälle bestätigen die Aggressionen die bereits vor der Einführung der
Hartz IV-Gesetze durch einen Sprecher der AWO warnend vorhergesagt.
1 Erwerbslosen Forum mit
völlig überzogenen Ermittlungen der Staatsanwaltschaft: konfrontiert
http://www.elo-forum.net/politik/politik/-200710181381.html
2 Landgericht Aachen:
Adorno Zitat reicht für den Verdacht der Volksverhetzung
http://www.elo-forum.net/politik/politik/-200803261725.html
3 Aachen:Geiselnahme in
Jobcenter unblutig beendet
http://www.elo-forum.org/news-diskussionen-tagespresse/15912-aachen-geiselnahme-jobcenter-unblutig-beendet.html
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Liebe Kolleginnen und
Kollegen,
Sehr geehrte Damen und
Herren,
wir würden uns über Ihre
Beobachtung beim Prozess freuen. Nach dem Termin haben Sie Geegenheit für
Interviews mit den beteiligten Akteuren. Für weitere Infos vorab, stehe ich
ihnen unter der Rufnummer: 0160/99278357 zur Verfügung
Termin: Freitag,
04.12.2009, 12:00 Uhr
Amtsgericht Aachen
Adalbertsteinweg 92
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