Ein breites, gesellschaftliches Bündnis ruft auf zum Protest -gegen die
Kultusministerkonferenz am 10. 12 2009 in Bonn –
Dieser Aufruf
richtet sich besonders auch an
Erwerbslose. Erst recht sind Mütter, Väter und Jugendliche herzlich eingeladen!
Wer sind wir?
Wir sind SchülerInnen, Azubis und Studierende vom Bildungsstreik, Erwerbslose
aus den Erwerbsloseninitiativen und Arbeiter und Angestellte aus den
Gewerkschaften.
Im Jahr 2009 gab es viele große Proteste gegen die Politik von
Bundesregierung, Landesregierungen und Großkonzernen: Gegen die Abwälzung der
Wirtschaftskrise auf die Schultern der arbeitenden Menschen, Erwerbslosen, SchülerInnen,
Azubis, Studierenden und Rentner demonstrierten in Frankfurt und Berlin am
28.3. mehr als 55.000 Menschen unter dem Motto „Wir zahlen nicht für eure
Krise!“. Am 16. Mai forderten mehr als 100.000 Menschen in Berlin auf einer
großen, vom DGB organisierten Demo, „Profiteure zur Kasse!“. Und am 17. Juni
demonstrierten SchülerInnen, Azubis, Studierende und erwerbslose Jugendliche
für ein anderes, besseres Bildungssystem ohne überfüllte Klassen, ohne
Ausbildungsplatzmangel ohne Studiengebühren und gegen die explodierende
Jugendarbeitslosigkeit. Mehr als 270.000 Jugendliche haben an diesem Tag ein
klares Signal an Politik und Wirtschaft gegeben: Dass sie die Schnauze
gestrichen voll haben.
Erster Erfolg der Proteste: Die Einführung der Studiengebühren hat
nicht nur gestoppt, sondern der Wind hat sich gedreht. Und zwar sind in Hessen,
in Schleswig-Holstein und im Saarland Studiengebühren wieder abgeschafft
worden. Die Bildungsstreik-Bewegung hat nun auf ihrem bundesweiten Treffen in
Münster zu Protesten und der Blockade der Kultusministerkonferenz („KMK“)
aufgerufen. Und die größten Organisationen der Arbeiter, Angestellten und
Erwerbslosen Deutschlands, der DGB Köln/Bonn, attac Bonn und das Erwerbslosen
Forum Deutschland, sind mit dabei gegen die „KMK“.
Gemeinsam sind wir stark!
Wer sind die „Kultusminister“…?
Die „Kultusminister“, das sind genau die MinisterInnen, die in ihren jeweiligen
Bundesländern die Situation des Bildungssystems zu verantworten haben. Sie
haben die Möglichkeit zu Veränderungen und wir wollen, dass sie die auch
nutzen! Die „Kultusministerkonferenz“ ist ein Zusammenschluss der
KultusministerInnen aller 16 Bundesländer, welche für Bildung und Erziehung,
Hochschulen und Forschung sowie weitere kulturelle Angelegenheiten zuständig sind.
Also für die Bereiche, die uns SchülerInnen, Studierende, arbeitslose
Jugendliche und Azubis direkt betreffen. Mehrmals im Jahr treffen sich die
KultusministerInnen zur KMK. Und wenn sie über diese Themen beraten, werden
unsere Forderungen und Interessen nicht beachtet.
…und was machen sie?
Was tatsächlich herauskommt bei der Politik der KultusministerInnen, das sind
weitere Verschlechterungen im Bildungssystem, wie in den letzten Jahren z.B.
der Abbau von demokratischer Mitbestimmung in Schule und Hochschule, die
Einführung der Studiengebühren, der Lern-Terror durch zentrale Prüfungen, durch
das Bachelor/Master-System und durch das Turbo-Abitur („G8“). Dazu kommt das
verstärkte charakterliche und soziale Aussortieren und die Unterdrückung
kritischer Meinungen durch die „Kopfnoten“.
In der Schule fehlt es an allem: Zu wenige LehrerInnen und überfüllte Klassen
machen das Lernen (für beide Seiten!) unerträglich, die Gebäude bröckeln und
viele SchülerInnen können sich das Schulmittagessen (falls es das überhaupt
gibt) nicht leisten – genauso wie Klassenfahrten und Lehrbücher, Hefte, Stifte
usw.
Während der Druck in Schule und Ausbildung immer größer wird, wächst die
Jugendarbeitslosigkeit, wächst der Ausbildungsplatzmangel und werden die Löhne
kräftig gesenkt, werden die Arbeitsbedingungen immer unsicherer und schlechter
(„Prekarisierung“). Millionen Jugendliche sind zu kostenlosen „Praktika“
anstelle bezahlter Arbeit gezwungen. Nach der sehr „kulturellen“ Dröhnung der
60-Stunden-Woche in Schule und Ausbildung bleibt dann weder Geld noch Zeit für
anderweitige „kulturelle“ Aktivitäten. Und im „Hartz-IV“-Regelsatz sind pro
Kind ganze 0,00€ für Bildung und Kultur vorgesehen – aber immerhin 2€ täglich
für eine gesunde, ausgewogene Ernährung. Ein (billiges!) Schulmittagessen
kostet 2,50€. Die Krönung hat das Bundessozialgericht am 29.10.09 beschlossen:
Schülerfahrkarten müssen aus dem Hartz-IV-Regelsatz gekauft werden. Damit ist
SchülerInnen z.B. das tägliche Frühstück entzogen.
Vor der Kamera werden uns die KultusministerInnen vielleicht wieder einmal
erzählen, wie toll sie es finden, dass sich Jugendliche z.B. beim
Bildungsstreik „engagieren“, und dass sie unsere „Vorschläge“ auf jeden Fall
„berücksichtigen“ werden. Damit aber unsere Interessen von den PolitikerInnen
großzügigerweise „berücksichtigt“ werden, müssen wir gemeinsam dafür kämpfen –
und können uns nicht auf ihre Versprechungen verlassen!
Wofür Protest und ‚Nachsitzen‘?
Der Protest gegen die 16 KultusministerInnen ist oft über das ganze Land
verstreut. Jetzt kommen sie alle in Bonn zusammen – und es wird eine
Demonstration und eine Blockade geben! Um bei der Bildung und Erziehung der
KultusministerInnen etwas nachzuhelfen, helfen vielleicht ein paar Stunden
‚Nachsitzen‘ bei ihrer Konferenz– z.B. durch eine Blockade! Unterstützt uns
dabei, die MinisterInnen ‚nachsitzen‘ zu lassen!
Nachsitzen! – Unsere Forderungen an die KMK:
Gegen die katastrophalen Lehr- und Lernbedingungen – für
selbstbestimmtes Leben und Lernen
· Weg mit dem Schulstress durch
Schulzeitverkürzung, zentralen Prüfungen, starren Lehrplänen, Kopfnoten und zu
großen Klassen!
· Weg mit dem Leistungsdruck u.a. in Form
des Bachelor-Master-Systems!
· Eine Schule für alle – statt Aussortieren
in Haupt-, Real-, Gesamt- und Sonderschüler!
· Fachlich und pädagogisch gut ausgebildete
ErzieherInnen, LehrerInnen, SozialpädagogInnen und DozentInnen! Und davon viel
mehr!
Freier Zugang zu allen Bildungs- und Kultureinrichtungen und
Abschaffung sämtlicher Bildungsgebühren
· Abschaffung von Studiengebühren,
Ausbildungsgebühren und Kitagebühren!
· Ausbildung mit anschließender Übernahme
für alle im erlernten Beruf!
· elternunabhängiges BAFöG ,ohne
Zurückzahlen für jede_n!
· Weg mit jeglicher Begrenzung des
Hochschulzugangs durch Abitur, „NC“ usw.!
· Kostenlose Fahrt im öffentlichen
Personennahverkehr für alle!
· Kostenlose Einzelbetreuung (Nachhilfe),
Verpflegung, Materialien und Klassenfahrten!
Öffentliche Finanzierung des Bildungssystems – ohne Einfluss der
Wirtschaft
· Mehr Gehalt für ErzieherInnen,
LehrerInnen, SozialpädagogInnen und DozentInnen!
· Weg mit dem Einfluss von Wirtschaft,
Militär und Polizei auf die Bildung!
Demokratisierung durch Stärkung der Mit- und Selbstverwaltung in
allen Bildungseinrichtungen
· Verfasste Studierendenschaften mit
Finanzhoheit und politischem Mandat in allen Bundesländern! Auch für die SVen!
· Weg mit Hochschulrat und Stiftungsrat als
höchste Entscheidungsebene an Hochschulen!
· Drittelparität in den Schulkonferenzen und an
den Hochschulen!
Abschaffung der Leih- und Zeitarbeit sowie prekärer
Arbeitsverhältnisse – Wir sind nicht eure „Generation Praktikum“!
Weg mit Hartz IV! Her mit 500€ Grundsicherung,
30-Stundenwoche und 10€ Mindestlohn – Sonst kann man von Bildung und Kultur nur
träumen!
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