|
Von Agenturschluss zum Zahltag |
|
5 Jahre
nach Einführung von Hartz IV zeigen sich die dafür Verantwortlichen,
wie der ehemalige SPD-Politiker und heutige FDP-Wahlhelfer Wolfgang
Clement sehr zu frieden. Bei vielen Erwerbslosen sieht die Sache ganz
aus. Für sie bedeutet das Hartz IV Drohungen mit Sanktionen,
Demütigungen auf den Ämtern ... Aber die Betroffenen sind nicht nur
Opfer.
Aber oft wird vergessen, Hartz IV begann mit der
bundesweiten Aktion Agenturschluss. In dieser Tradition stehen heute
die Zahltag Aktionen und die solidarischen Begleitungen beim Gang zur
den Behörden. In dem Buch "Zahltag" werden aktuelle Formen von
Erwerbslosenwiderständigkeiten, die gerne übersehen werden, vorgestellt.
Hier
wird die Entwicklung von der Aktion Agenturschluss bis zu den heutigen
Zahltagaktionen dargestellt. Außerdem werden weitere Formen von
Widerständigkeiten vorgestellt, die sich gegen Effekte des Hartz
IV-Regimes richten.
Peter Nowak
Zahltag
Zwang und Widerstand: Erwerbslose in Hartz IV.
Unrast-Verlag
ISBN: 978-3-89771-103-7
80 Seiten
Preis: 7.80 Euro
Weitere Informationen:
http://unrastwildcat.blogsport.de/2010/01/06/5-jahre-hartz-iv-der-widerstand-geht-weiter/
|
|
|
Hungerstreik von Rüdiger S. doch nicht beendet |
|
|
Samstag, 20. Januar 2007 |
Verwaltung in Osterode will die Heizkosten noch weiter reduzieren
Wieda, Osterode. Entgegen gestrigen Ankündigungen, dass Rüdiger S. aus Wieda seinen Hungerstreik beendet habe, kündigte dieser heute an, dass er keineswegs den Hungerstreik beendet. In den gestrigen Verhandlungen im Landkreis Osterode, unter Anwesenheit des Vermittlers Prof. Peter Grottian, wollte der erste Kreisrat, Gero Geißlreiter, sogar die Heizkosten von bisher erstatteten 79 EUR auf 28 EUR reduzieren. Da Rüdiger S. die kälteren Monate in seinem kleinen Badezimmer verbrachte und dadurch einen geringeren tatsächlichen Bedarf habe, sei dies juristisch machbar. Als Nachweis des geringeren Bedarfes verwendet Geißlreiter die Abrechnung des Energielieferanten für das Jahr 2006 - welches Rüdiger S. notgedrungen zur Abwendung von Verschuldung in seinem Badezimmer verbracht hatte. Außerdem würden sich Rückforderungen für den Kreis ergeben, da Rüdiger S. durch sein Leben im Badezimmer sogar weniger als die knappe pauschalierte Heizkostenerstattung verbraucht habe.
Bei den gestrigen Verhandlungen hatte Rüdiger S. zunächst einer Aussetzung des Hungerstreiks zugestimmt, obwohl es keine Klärung über die Kosten der Unterkunft gab. Die Verwaltung wies darauf hin, dass sie eine gerichtliche Entscheidung abwarten werde. Diese steht allerdings schon länger als ein Jahr aus und kann sich über viele weitere Monate hinziehen. Die Verwaltung handelt entgegen der Rechtsprechung vieler Sozialgerichte und auch der Entscheidung des Bundessozialgerichtes, wonach bei selbst genutztem Eigentum die tatsächlichen Kosten der Unterkunft zu übernehmen sind. Hinzu kommt, dass die Verwaltung das Eigenheim von Rüdiger S. mit 104 qm für um 14 qm zu groß hält und möchte, dass er seine Immobilie verwertet und aus dem Verkaufserlös selbst seinen Lebensunterhalt bestreitet. Dass das obere Geschoss aufgrund der schlechten Bausubstanz nicht verwertbar ist und in der Gemeinde Wieda Immobilien aufgrund der Marktlage nur mit extremem Verlust verkauft werden können, spielt für den Landkreis ebenfalls ohne Gerichtsbeschluss keine Rolle.
Das Erwerbslosen Forum Deutschland ist über die Haltung des Landkreises Osterode entsetzt und hat den Eindruck, dass hier Forderungen und Angebote gemacht werden, die unannehmbar sind. "Wir fordern den ersten Kreisleiter auf, dass er seine Haltung nochmals gründlich überlegt. Dies hat nichts mehr mit den Interessen der Bürger zu tun, sondern hier wird bewusst ausgetrickst. Damit ist Gero Greißlreiter schon jetzt nicht mehr politisch haltbar, und wir fordern die entsprechenden Konsequenzen. Wir können uns nicht des Eindruckes erwehren, dass hier mit allen Mitteln versucht wird, Rüdiger S. Willen zu brechen und ihn aus seinem Wohneigentum zu vertreiben, obwohl auf längere Frist dadurch für die öffentliche Hand höhere Kosten in Form von monatlicher Miete entstehen werden.", so Martin Behrsing, Sprecher des Erwerbslosen Forum Deutschland.
Gemeinsame Presseerklärung des Aktionsbündnis Sozialproteste und Erwerbslosen Forum Deutschland
|
|
|